Mit Ernst Dittus würdigt die Verbandsgemeinde Gerolstein eine Persönlichkeit, die Unternehmergeist, Verantwortungsbewusstsein und Heimatverbundenheit auf beeindruckende Weise vereint. Über viele Jahre war er Mitglied des Ortsgemeinderates Wiesbaum sowie des Verbandsgemeinderates Hillesheim. Darüber hinaus gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Zweckverbandes Industrie- und Gewerbepark Wiesbaum (IGP) und der HIGIS GmbH – und legte damit einen entscheidenden Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung der heutigen Verbandsgemeinde Gerolstein.

„Ernst Dittus war ein Visionär mit Bodenhaftung. Er hat früh erkannt, wie wichtig Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven für unsere Dörfer sind“, betonte Bürgermeister Hans Peter Böffgen beim Besuch. Auch Ortsbürgermeisterin Ruxandra Gericke hob hervor: „Wiesbaum und die gesamte Region profitieren bis heute von seinem Weitblick und seiner Tatkraft.“
Vom Kriegskind zum Aufbaupionier
Der Lebensweg von Ernst Dittus ist eng mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verbunden. Geboren in Idar-Oberstein, wurde er als junger Mann in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen und geriet mit nur 19 Jahren in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Erst 1950 kehrte er als Spätheimkehrer in die Heimat zurück.
Als gelernter Werkzeugmacher fand er rasch Arbeit im Wiederaufbau. Gemeinsam mit anderen Heimkehrern errichtete er Wohnhäuser für Kriegsrückkehrer – ein Symbol für den Neuanfang nach den Schrecken des Krieges. Der Wille, selbst wieder etwas aufzubauen, prägte ihn für den Rest seines Lebens.
Ein kleiner Lottogewinn im Jahr 1963 ermöglichte ihm den Schritt in die Selbstständigkeit: Mit dem Kauf seiner ersten eigenen Werkbank begann seine unternehmerische Laufbahn. Dieses Werkzeug begleitete ihn Jahrzehnte lang – bis ins hohe Alter hinein. Noch vor wenigen Jahren war Ernst Dittus im Betrieb.
Wiesbaum wurde zur neuen Heimat
1970 kam Ernst Dittus eher zufällig nach Wiesbaum, als er für seine wachsende Firma mehr Platz suchte. Dort entwickelte er aus der ehemaligen Dorfschule seinen Betrieb und wurde damit der zweite Unternehmer im Ort. Aus dieser Keimzelle heraus entstand später der heutige Industrie- und Gewerbepark Wiesbaum.
Auch im hohen Alter blieb er aktiv: Noch mit 90 Jahren stand er täglich in der Werkstatt und erledigte Spezialarbeiten an Maschinen älteren Baujahrs. Bei kniffligen Fragen rund um ältere Technik war er für viele Nachbarn im Gewerbepark ein geschätzter Ansprechpartner, der nicht nur mit fachkundigem Rat half, sondern seine Lösungen teilweise auch selbst umsetzte und fertigte – sowohl für die Betriebe der Söhne als auch für andere Unternehmen. Wer ihm im Higis um Rat bat, konnte sich nicht nur auf seine Erfahrung verlassen, sondern auch auf einen trocken unverwechselbaren Humor, der ihn bis heute auszeichnet.
Engagement für Demokratie und Gemeinschaft
Neben seinem unternehmerischen Wirken engagierte sich Ernst Dittus über Jahrzehnte hinweg kommunalpolitisch und gesellschaftlich. Als Mitglied im Ortsgemeinderat Wiesbaum und im Verbandsgemeinderat Hillesheim setzte er sich für die Entwicklung der Region ein. Mit der Gründung von IGP und HIGIS schuf er gemeinsam mit Mitstreitern die strukturellen Voraussetzungen für Gewerbeansiedlungen, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität.
Auch sozial blieb er stets aktiv – unter anderem in der Arbeiterwohlfahrt, wo er für seine langjährige Mitgliedschaft geehrt wurde.
Ein Vorbild über Generationen
Mit 100 Jahren blickt Ernst Dittus auf ein Leben zurück, das von Fleiß, Hilfsbereitschaft, Mut zum Neuanfang und tiefer Verbundenheit zur Heimat geprägt ist. Für die Verbandsgemeinde Gerolstein ist er ein Vorbild dafür, was Einzelne bewegen können, wenn sie Verantwortung übernehmen und nicht aufhören, an ihre Region zu glauben.
„Ernst Dittus steht für ein Jahrhundert Engagement, Arbeitsethos und gelebte Demokratie“, fasste Stefan Mertes den Besuch zusammen. „Menschen wie er haben unsere Verbandsgemeinde zu dem gemacht, was sie heute ist.“

